Die Startseite von datenjournalismus.net Screenshot: Sebastian Prill

Die Startseite von datenjournalismus.net Screenshot: Sebastian Prill

Lorenz Matzat ist einer der Pioniere im Deutschen Datenjournalismus. Mit Open Data City hat er in der vergangenen Zeit einige herausragende Grafiken und Datengeschichten im deutschen Journalismus mitgestaltet. Sein neuester Coup ist für Einsteiger ins Thema interessant. Unter Datenjournalismus.net hat er eine deutschsprachige Sammlung mit nützlichen Links zum Thema veröffentlicht.

Tutorials, Blogs und Handbücher zum Datenjournalismus

Auf der Seite sammelt er die wichtigsten Quellen und Referenzen aus dem deutschen Raum, die für einen guten Einstieg in das Thema Datenjournalismus nötig sind. Mirko Lorenz‘ Domain ist darauf ebenso versammelt, wie das Netzwerk Recherche, dass als Verein immer wieder Starthilfe für großartige Geschichte leistet. Auch Hinweise zu Anbietern von Tutorials und Handbüchern listet Matzat auf der Seite.

Es bleibt zu hoffen, dass das Angebot noch weiter ausgebaut und stetig gepflegt wird. Der Datenjournalismus ist in Deutschland noch am Anfang all seiner Möglichkeiten, Matzats Sammlung leistet da wertvolle Unterstützung.

Hier gehts zur Seite von Lorenz Matzat

www.datenjournalismus.net


In Bambgerg sind Leser auf der Jagd nach miesem Empfang. Foto: Frerk Meyer / Flickr.com

In Bambgerg sind Leser auf der Jagd nach miesem Empfang. Foto: Frerk Meyer / Flickr.com

Vielleicht ist es die den meisten Journalisten eigene Angst vor Zahlen, weshalb deutsche Tageszeitungen zum größten Teil vor Datenjournalismus zurückschrecken. Aus den Kampfvokabeln der Open-Data-Bewegung „Transparenz“ und „Mitbestimmung“ könnten Zeitungen in Verbindung mit Datenjournalismus jedoch ernsthaft Kapital schlagen. Wie das geht, zeigt das Beispiel Funklochjäger in Bamberg. In Zusammenarbeit der Universität Bamberg und der Mediengruppe Oberfranken, ist ein Portal entwickelt worden, bei dem Leser der Zeitung Funklöcher melden können und verzeichnen so die Qualität und Netzabdeckung in Bamberg. Auf diese Weise entsteht eine Karte mit den Funklöchern in der Stadt und deren Umgebung. Vor allem jüngere Leser seien auf diese Möglichkeit des digitalen Bürgerjournalismus eingegangen, erklärt Redakteur André Haller in einem Interview mit European Journalism Observatory

Nutzer kontrollieren Redakteure und Behörden

Haller benennt im Interview Chancen und Risiken des Engagements seiner Tageszeitung im Datenjournalismus. Zwar stehen vor dem Ziel, mehr Leser an das eigene Blatt zu binden, große Investitionen, doch die würden sich vor allem langfristig lohnen. Denn eine einmal geschaffene Datenbank wie die Funklochjäger würde sich auch für andere Projekte lohnen. Was der Redakteur damit beschreibt, ist schon vor ein paar Jahren durch Adrian Holovathy angeregt worden. Die Daten sind demnach bereits in den Redaktionen. Ob Feuerwehreinsätze, Unfälle oder das Budget der eigenen Gemeinde. Längst sind all diese Daten in Archiven der Zeitungen vorhanden, sie werden nur unzureichend gepflegt. Statt Meldungen in Datenbanken abzulegen, verschwinden sie in PDF-Versionen der eigenen Ausgabe und sind so kaum noch für eine systematische oder maschinengesteuerte Suche erreichbar. Holovathy argumentiert, mit diesen Daten könnten Zeitungsleser die Redakteure und Behörden kontrollieren und so ein Stück vertrauen in beide Institutionen zurückgewinnen.

Datenjournalismus muss Nutzwert haben

Interessant dürften vor allem Unternehmungen sein, die den Leser zum Mitmach-Leser werden lassen. Gemeindebudgets dürften sich gut eignen, um Kita-Schließungen, Kürzungen bei Schulen oder mangelnde Investitionen beim Ausbau von Infrastruktur zu erklären. Wenn Zeitungen anfangen, nicht mehr nur aus den Ratsbeschlüssen zu zitieren, sondern auch die detaillierten Haushaltspläne so veröffentlichen würden, dass sie als Excel- oder csv-Dateien abliegen, könnten Leser mitmachen. Sie könnten selbst erschließen, an welchen Stellen Kürzungen angesetzt werden oder wo sich vielleicht noch mehr Einsparen ließe. Der Vorwurf, damit den Leser die Aufgaben von Lokalpolitikern oder Journalisten machen zu lassen, ist dabei viel zu kurzsichtig. Längst wollen viele Bürger mehr in der Lokalpolitik bewegen. Zahlreiche Bürgerinitiativen werden gegründet, um ein einziges Ziel zu erreichen: Die Schule erhalten, den Wald retten oder einen Bahnhof verhindern. Mit den Methoden des Datenjournalismus könnte das Know-How von engagierten Lesern gewonnen werden. Die Lokalzeitung würde so zu einem Mittler, der sorgfältig redigierte Inhalte für alle zugänglich macht und aufbereitet.

Funklochjäger sind gelungene Vorlage

Mit den Funklochjägern ist den Bambergern eine tolle Vorlage für andere Zeitungsverlage gelungen. Was sich lohnenswert umsetzen lässt, hängt nicht zuletzt von den Gegebenheiten vor Ort ab. Themen gibt es viele: Ein Atlas der Windräder in der Umgebung, eine Karte mit gescheiterten Förderprojekten in der Infrastruktur oder ein Atlas der Breitbandgeschwindigkeiten. Was gemacht wird, sollten die Leser mit entscheiden. Dann bleiben die ihrer Zeitung nicht nur treu, sondern entdecken sie vielleicht sogar neu.


Flexibel lernen, wo ich will. MOOCs machen es möglich. Foto: © Flickr.com/ Sally Wilson *s@lly*

Flexibel lernen, wo ich will. MOOCs machen es möglich. Foto: © Flickr.com/ Sally Wilson *s@lly*

Natürlich habe ich mich bei den MOOC-Kursen angemeldet und mitgemacht, die ich vor ein paar Tagen hier angekündigt habe. Bald endet der vom Knight Center angebotene Kurs zum Investigativem Journalismus im digitalen Zeitalter. Es wird also Zeit für ein Fazit.

Freiheit des Lernens vs. Struktur

MOOCs setzen darauf, dass Lerninhalte dezentral vermittelt werden. Meist sind Bildungseinrichtungen die Anbieter solcher Kurse, aber nicht nur Universitäten bieten diese Form der Massen-Bildung an. Der Knight-Kurs ist der entspannteste von beiden Kursen. Währen die Macher um Journalism++ viel Wert auf eigenständige Arbeit und regen Austausch legen, gleicht der Knight-Kurs eher einer Ringvorlesung, wie sie an Universitäten angeboten werden. Verschiedene Referenten präsentieren ihre Arbeit, leiten die Studenten zu kreativen Themen und den Fallstricken des Daten-Journalismus an.

In fünf Module ist der Kurs der Texaner eingeteilt und jeder wird mit einem Quiz über fünf Fragen abgeschlossen. Dabei gelingt ein spannender Spagat: Es wird sowohl ein Grundlagenkurs Journalismus als auch ein Methodenkurs zum investigativem Arbeiten angeboten. Die Fragen der abschließenden Quiz sind nicht sonderlich schwer, wer Journalismus studiert oder ein Volontariat absolviert hat, kommt schnell auf die richtigen Antworten. Dass jedes Quiz beliebig oft wiederholt werden darf, vereinfacht das Ganze erheblich.

Zur Abschlussprüfung: Da lang

Anders bei den Machern des Journalism++ Angebotes. Zwar kann auch hier der Nutzer selbst entscheiden, wie er die Zeit für den Kurs einteilt, hier sind die Quiz‘ in den Modulen integriert und trotzdem muss der Teilnehmer abschließend eine Art Abschlussprüfung ablegen, die auch nur einmal wiederholt werden darf.

Ich muss gestehen, dem Kurs von Journalism++ zu folgen, ist erheblich schwieriger als dem Knight-Centre-Kurs. Während ich bei letzterem die Arbeitsmaterialien unterwegs abrufen und lesen kann, benötigen ich für den Kurs von Journalism++ sehr viel mehr Zeit, um alle Videos und Dokumente zu verfolgen. Bis zu fünf Stunden, sollen laut Veranstalter pro Modul aufgewandt werden. Zeit, die ich als Journalist mit Familienleben kaum aufbringen kann. Trotzdem lohnt es sich, beide Kurse zu verfolgen. Zwar habe ich mir mein Wissen zum Datenjournalismus selbst angelesen, viele Kursteilnehmer liefern allerdings Debattenbeiträge, die als Einzelkämpfer nicht so ohne weiteres aufkommen.

Fazit

Ich glaube nicht, dass ein MOOC zum Thema Datenjournalismus eine Fortbildung oder echte Ausbildung ersetzen kann. Dazu müsste das Gelernte auch in den Berufsalltag eingebracht werden können und allein durch einen MOOC ist das nicht möglich. Datenjournalismus ist aber auch Punk, und so gewinnt meine Teilnahme bei beiden MOOC die Qualität eines Meetings mit Gleichgesinnten. Das ist auf jeden Fall lohnenswert.


Auch die Meldung ist Handarbeit: Journalismus im 20. Jahrhundert.

Nein, ich glaube nicht, dass Roboterjournalismus das Ende des menschgemachten Journalismus einläuten wird. Ich glaube aber, dass Roboterjournalismus Redaktionen drastisch verändern wird. Bisher gibt es“Roboterjournalismus“ nicht als streng definierten Begriff. Der Datenjournalist Mirko Lorenz widmet dem, was sich hinter dem Konzept verbirgt, zwei umfangreiche Seiten und schafft es trotzdem nur schwer, die Balance zwischen Theorie und Wirklichkeit zu wahren. Hier geht es zum äußerst lesenswerten Beitrag von Mirko Lorenz: Teil 1 und Teil 2

Roboterjournalisten ersetzen Sportredakteure

Roboterjournalismus kann man sich vorstellen, wie eine automatisierte Wetteranzeige: Aus Datenbanken werden verschiedene Variablen abgefragt und mit Standardsätzen kombiniert. Mit den Variablen an der richtigen Stellen, entstehen mehr oder weniger zur Veröffentlichung fertige Texte. In den USA ist mit Narrative Science bereits ein Unternehmen aktiv, das auf diese Weise Sport- und Wirtschaftsnachrichten generiert. Bei Narrative Science werden aus Spielen der Amateur-Baseballligen verschiedene Variablen abgefragt: „X Zahl der Spieltage“, „Team:A“, „Team:B“ und „Ergebnis: 0-2“ werden mit folgendem Standardsatz kombiniert:

„Am (Variable Spieltag/Datum) hat (Variable Team) mit (Variable Ergebnis) gegen (Variable Team) gespielt. […]“

Beim Baseball funktioniert diese Art der automatisierten Berichterstattung, weil der Sport mit vielen Statistiken begleitet wird. Läufe, Punkte, geschlagene Treffer, Leistung der Spieler, fast alles wird in den Ligen gezählt und veröffentlicht. Die daraus generierten Texte finden ihre Abnehmer bei Fans, oder Großeltern und Eltern, die nicht zum Spiel der Kinder kommen konnten und trotzdem auf dem Laufenden bleiben möchten. In den Wirtschaftsnachrichten sind auf diese Weise generierte Texte bereits weit verbreitet, selbst die DPA bietet einen solchen Service an. Aktienkurse, Unternehmensentwicklung und Wirtschaftsdaten eignen sich am besten, automatisiert abgefragt und veröffentlicht zu werden. Roboterjournalisten könnten ihre menschlichen Kollegen auf diesem Gebiet tatsächlich Arbeit abnehmen.

Roboterjournalist schreibt Keine Reportage

Das ist auch der Grund, warum ich nicht glaube, dass Roboterjournalisten jemals vollständig menschliche Redakteure ersetzen werden. Nicht nur, dass die meisten vorgefertigten Meta-Sätze noch geschrieben werden müssten – von Menschen. Sobald der Faktor Mensch in die Berichterstattung gerät, wird ein Roboterjournalist scheitern. Fragen wie, „Was haben Sie gedacht als…?; Wie fühlen Sie sich, als…?“ und all die Dinge, die Texte lebendig werden und Geschichten „menscheln“ lassen, können nicht quantifiziert und standardisiert abgefragt werden. Eine politische Rede in ihren Kontext zu bringen, wird durch Roboter allein nicht möglich sein.

Beispiel: Es war die Frage eines Journalisten an Günter Schabowski, ob 1989 die West-Grenzen für DDR-Bürger tatsächlich offen seien. Die historische Antwort hat das Ende der DDR eingeläutet. Weder Schabowskis Aussage während der Pressekonferenz, noch deren Konsequenzen für Millionen DDR-Bürger wird ein Roboter ohne Probleme einschätzen können. Doppeldeutigkeiten in der Sprache, Sinnzusammenhänge aus historischen Vergleichen: Hier werden Menschen den Maschinen überlegen sein. Ein Grund, erleichtert zu sein? Ich weiß es nicht.

Mensch und Maschine nur im Duo

Roboterjournalisten werden mit Sicherheit viele Abfragen übernehmen, die bisher von Menschen gemacht werden müssten. Sie werden in den Redaktionen Einzug halten und Informationen aus Archiven und anderen Quellen erschließen. Sie werden sicherlich standardisierte Texte verfassen, die bisher noch von Menschen geschrieben werden. Etwa Meldungen, Sport- und Arbeitsmarktberichte und vielleicht menschlich Arbeitskraft ersetzen. Roboterjournalismus wird sehr wahrscheinlich auch in Lokalredaktionen einziehen, wenn die Technik ausgereift genug ist. Die verbliebenen menschlichen Redakteure widmen sich derweil den großen Themen: Reportagen, Portraits und Features, die Kreativität verlangen.

Fürchten müssen Redakteure die Roboter jedenfalls nicht. Wie Nate Silver in seinem Buch „The Signal and the Noise“ schreibt: „Technologie ist hilfreich, wenn Arbeitskraft gespart werden muss, aber wir dürfen nicht erwarten, dass Maschinen für uns denken werden.“ Es wird die wählerische Aufmerksamkeit des Lesers sein, die ein Journalist mehr fürchten muss als einen Roboter.

Mehr zum Roboterjournalismus:

Der Standard – Maschinen im Newsroom
BBC meldet – Roboter schreibt Nachricht
Huffington Post – Roboter schreibt Erdbebenmeldung
New Scientist – Software schreibt Meldungen


In den MOOC-Workshops wird gezeigt, wie Geschichten aus Daten gewonnen werden.

In den MOOC-Workshops wird gezeigt, wie Geschichten aus Daten gewonnen werden. Foto: Sebastian Prill

Gleich zwei MOOC-Trainingskurse für Journalisten beginnen in den nächsten Tagen. Anbieter sind das Knight Center for Journalism in the Americas, angesiedelt an der University of Texas. Der andere Anbieter ist ein Netzwerk von Datenjournalisten. Die Macher von Journalism++ haben den Kurs organisiert, an dem Größen des Datenjournalismus wie Simon Rogers, ehemals Chefredakteur des Datenblog der britischen Tageszeitung „Guardian“, teilnehmen werden.

Bei beiden Kursen ist die Teilnahme kostenlos. Wichtig: Von den Teilnehmern werden sehr gute Englisch- oder Spanisch-Kenntnisse verlangt.

Einführung in den Datenjournalismus

Das von Jouralism++ ausgerichtete Training zum Datenjournalismus richtet sich an all jene, die mehr aus Daten herausholen und reine Datengeschichten in der Berichterstattung ihres Mediums unterbringen wollen. Sponsoren sind – unter anderem – Google, das niederländische Bildungsministerium sowie die African Media Initiative.

Als Referenten wurden Simon Rogers, Nicolas Kayser-Bril, Robert Cairo, Paul Bradshaw und Steve Doig verpflichtet, die zum Teil aus ihrer eigenen Arbeit berichten werden. Fünf Module umfasst der Kurs:

1. Data journalism in the newsroom – Wie können Datenjournalisten im Newsroom eingesetzt werden
2. Finding data to support stories – Geschichten mit Daten validieren
3. Finding story ideas with data analysis – Die (versteckte) Geschichte in den Daten
4. Dealing with messy data – Wie mit unsauberen Daten umzugehen ist
5. Telling stories with visualization – Datenvisualisierung: Von den Daten zur Darstellung

Als Lesegrundlage wird das Handbuch für Datenjournalismus empfohlen.

Der Kurs beginnt am 19. Mai, noch können sich Teilnehmer online anmelden.

Hier geht es zum Kurs

Link: Doing Journalism with Data

Investigative Recherche im Digitalzeitalter

Für nützliche Tipps und Tricks zur investigativen Recherche könnte sich der Kurs des Knight Centers for Journalism in the Americas lohnen. Die Trainer und Journalisten Brant Houston, Steve Doig Michael Berens und Lise Olsen werden über vier Wochen in verschiedene Aspekte des investigativen Journalismus einführen.

Der Kurs ist so angelegt, dass Teilnehmer eine Woche Zeit haben die Lernmodule zu bearbeiten und einen kurzen Test zu bearbeiten. Nach vier Wochen besteht die Möglichkeit, ein Zertifikat über die Teilnahme zu erhalten.

Das Einschreiben ist noch bis zum 11. Mai möglich.

Hier geht es zum Kurs

Link: Investigative Journalism for the Digital Age

MOOC steht für Massive Open Online Course. MOOC-Trainings sind Onlinekurse, bei denen mehrere tausend Teilnehmer, kostenlos zu einem Thema lernen können. Vorreiter von Online-Kursen ist die Online-Universität Udacity